Dampf für die Konsolen

Auch erschienen auf ambuzzador.com.

Are you a gamer?

Falls ja, haben Sie wahrscheinlich schon von Steam OS gehört. Das von Valve (bekannt vor allem durch Half-Life – das Spiel mit dem λ) produzierte Betriebssystem schlägt seine Kreise zielstrebig immer weiter. Mit Steam OS und den bald verfügbaren Steam Machines hat der Entwickler ein neues Konzept mit großem Potenzial auf den Markt geworfen.

Billiger, online-only, ohne spezielle Konsole und mit (zukünftig) beinah unbegrenzten Möglichkeiten. Die meisten Komponenten befinden sich noch in der Betaphase und die Entwickler geizen ein wenig mit Information – doch hin und wieder springen einige Fetzen News heraus.

Zwei, die sich mit dem System Steam auseinander gesetzt haben, sind Ewan Roberts und Jeremy Suarez. Beide sind in der IT-Branche tätig – Jeremy kommt ursprünglich aus den USA und arbeitet als Programmierer für thoughtworks in London; Ewan ist Australier und gegenwärtig als Digital Consultant im php-Development tätig. Die beiden benutzen Steam schon länger und haben sich einige Gedanken dazu gemacht. Sie können erklären, was an Steam OS so neuartig ist, warum eine Steam Machine „pretty good“ ist und welches Potenzial das System mit sich bringt.

Wo ist der große Unterschied zwischen Steam OS und dem Spielen auf einer normalen Konsole?

Ewan: Steam ist quasi eine Online-Bibliothek. Früher bist du rausgegangen, hast dir ein Spiel in einem Geschäft gekauft und hast es zu Hause gezockt. Die CD konntest du deinen Freunden borgen und in Second Hand Läden wieder verscherbeln. Jetzt läuft das nur mehr online – und auch rechtlich hat sich vieles getan.

Jeremy: Du spielst nur online – es gibt keine Konsole an sich. Die Playstation, die Xbox, ein Nintento – das brauchst du alles nicht. Du brauchst nur deinen Computer – der Zwischenhändler wird eliminiert. Ein Spiele-Entwickler lädt sein Spiel hoch und sofort ist es verfügbar. Das bringt große Flexibilität mit sich – für die Gamer und für die Entwickler, die sich nicht mehr an die Regeln von Sony oder sonst wem halten müssen.

Ewan: Was auch ein Nachteil ist – viele Menschen mögen offline spielen und haben kein großes Interesse oder auch nicht die Möglichkeit, permanent online zu sein. Manche nervt das.

Aber wir sind doch ohnehin immer und überall im Internet – seit wann sträubt sich jemand dagegen?

Ewan: Es gibt Statistiken, die beweisen, dass nicht jeder jederzeit online ist. Hier in Europa und im Rest der westlichen Welt mag das stimmen. Aber anderswo ist es nicht so. Es gibt auch Orte mit sehr langsamer oder gar keiner Internetverbindung. Außerdem geht es mehr um die Möglichkeit offline zu spielen, die dir genommen wird. Man mag es nicht, Kontrolle über etwas zu verlieren; das gilt auch in diesem Bereich.

steam interface

So sieht die Steam OS Oberfläche aus. „Quite punky“, meint Ewan Roberts.

Wird Steam Konsolenspiele am Markt bedrohen?

Ewan: Steam ist sehr viel günstiger. Der Grund dafür ist einfach: Steam ist effizienter. Wenn du ein Spiel auf die klassische Art vertreibst, musst du es entwickeln, auf CD bannen und versenden. Viel Aufwand für eine Menge Daten auf einer CD. Oder du stellst es direkt online – und zerstörst damit die althergebrachten Distributionswege. Steam ist wie ein E-Mail, während Konsolen noch immer Briefverkehr sind.

Jeremy: Es ist einfach viel günstiger. Es gibt viele Gratisspiele und hunderte Rabatte und Aktionen.

Ewan: Ein weiterer Punkt ist, dass Steam den Gebrauchtspielemarkt tötet. Kaufst du dir eine Playstation-DVD, kannst du sie verborgen, verkaufen oder umtauschen. An keinem Punkt ist der Entwickler finanziell beteiligt. Du kannst ein runtergeladenes Spiel nicht weitergeben – es existiert physisch nicht und läuft nur über deinen Steam-Account. Dadurch bewegt sich der ganze Markt – Logistik, Effizienz, Vertrieb, Marketing: das alles funktioniert hier ganz anders.

Eine Steam Machine wird eine Art Computer?

Ewan: Im Prinzip schon. Sie wird ziemlich gut sein noch dazu. Mit 3 GB Grafikspeicher, 16 GB RAM und 1 TB Festplatte kommt da einiges zusammen. Intel i7 ist auch nicht schlecht. Es wird also schnell und noch dazu schön. Steam OS hat ein hübsches GUI (graphic user interface). Wahrscheinlich aber teuer. Aber fast alle Konsolenhersteller holen sich ihr Geld durch die Spiele und machen mit den Konsolen einen Verlust. Alles ist daraufhin ausgelegt, sie auf einen großen Fernseher anzuschließen.

Ist Steam nur zum Spielen da?

Jeremy: Nein, Valve möchte es gerne für Musik, Filme und Fernsehen öffnen und im Prinzip – da es Open Source ist – kann man es für alles verwenden. Es gibt einen großen Store, der aber hauptsächlich noch für Spiele da ist.

Wird Steam eine Alternative zu bekannten Betriebssystemen sein?

Ewan: Ich glaube nicht, dass es so gut sein wird wie andere Betriebssysteme. Die Big Players haben einfach viel mehr Erfahrung. Windows existiert seit Gott ein Baby war. Ebenso Apple. Dort arbeiten die besten Softwareentwickler der Welt und die haben Jahre an Erfahrung.

Jeremy: Momentan setzt du auf ein Betriebssystem: Wenn du ein iPhone hast, benutzt du eher einen iMac und eventuell einen iPod oder ein iPad. Es wird schwierig, da durchzubrechen. Steam ist ein tolles, modernes Ding, aber wird nicht von heute auf morgen Mainstream werden.

So what?

Ewan: Für die Endnutzer wird es großartig sein. Es ist billig, ich brauche nur meinen Computer – oder eine der superschnellen Steam Machines – und komme da rein. Die Entwickler werden davon profitieren und zuletzt wird der Produzent von Steam eine Menge Geld machen. Sony und Microsoft haben bereits probiert, eine Online-Spiele-Plattform zu betreiben und sind beide untergegangen.

Jeremy: Welchen Effekt es wirklich auf dem Markt haben wird, das kann man nicht voraussagen. Ich hoffe, dass sich Steam gut entwickelt. Aber sie sollten definitiv nicht versuchen, Microsoft oder Sony in die Quere zu kommen. Die sind einfach zu große Kontrahenten.

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